DAS GROßE GESCHEHEN 


Von Fenstersimsen tropft der Regen,

die Café-Terrasse ist ganz leer;

ich schau' raus, wo auf den Wegen

ist keine Menschenseele mehr.


Das Wetter lädt zum Sinnieren

über das wahre Leben ein,

und statt draußen zu flanieren,

denke ich nach über das Sein,


über sein Kommen und Gehen,

das ganze große Geschehen,

sein Werden und Sterben,

das prägt alles auf Erden.


Doch hinter dem Geschehen

ist mehr als wir sehen;

die Intuition wird’s uns zeigen

und mit der Göttlichkeit schweigen.

GEHEIMNISVOLLES LEBEN 


Im Leben, im Werden und Vergehen,

können wir nur die Oberfläche sehen;

zu groß ist das Naturgeschehen, 

es mit dem Verstand zu verstehen.


Im Aufgehen einer Sternennacht

fühlen wir Menschen eine größere Macht;

wir stehen stumm und staunend,

uns dem Großen Ganzen anvertrauend.


„Das Reich Gottes ist inwendig in Euch“,

so steht es in der Schrift geschrieben,

und allein die Stille, verschwiegen, 

besteht als wahrhaftes Geräusch.

DER SEELE RUHE 


In ruhigen, sich weitenden Bahnen

lässt der Blick zu den Sternen

die ganze Wirklichkeit erahnen,

hinauf in unendlich weite Fernen.


Ein leises, sehnsuchtsvolles Ziehen

lässt uns dem Moment entfliehen,

der als solcher, eingebettet in die Zeit,

hält die Dornen am verdorrten Zweig.


Doch sich vom Moment erhebend,

ganz der Zeitlosigkeit ergeben,

fühlst Du hinter der Endlichkeit

das EINE Leben in der Ewigkeit.

ZWISCHEN DEN POLEN


Mal Freude und mal Traurigkeit,

mal gemeinsam und mal einsam:

Zwischen den Polen bewegt sich das Leben,

ist mal Schuld und mal Vergeben.


Zwischen Nord- und Südpol findet das Leben der Erde statt;

die Menschen sind hungrig auf's Leben, mal sind sie satt.


Möchtest Du die Lebenspole überwinden,

versuche zu Dir selbst zu finden,

fange an, Deinem Inner'n zu lauschen,

höre das Leben in Dir selber rauschen.


Gehe so inmitten göttlicher Natur

auf Deiner einzigartigen Spur,

sodass Pol für Pol schmelzen möge

und die Einheit Dich mit einbezöge.

DAS KLOSTER


Am Fuß des Bergs, unten im Tal,

mit dem Tal sich windend schmal,

liegt ein Kloster dort gelegen,

fernab von vielen Wegen.


Die einsame Natur prägt das Bild,

in einer Landschaft pur und wild.

Die Menschen, die hier Einkehr halten,

inmitten von Naturgewalten,


sind sich des Daseins wohl bewusst,

auch dessen, dass Du suchen musst,

nach der Freiheit der Unendlichkeit

im Inneren der All-Einigkeit.

DIE WIEDERKUNFT


Des Lebens Rätsel verstehen,

warum Pflanzen wachsen 

und neue Welten entstehen,

während all' das besteht

auch eines Tages vergeht.


Was ist das, das bleibt,

nicht der Körper, der Leib,

der wird und der stirbt,

doch was von ihm bliebe

sei die Seele, die Liebe,


die das Meer aller Kraft

als neuen Körper erschafft,

zu neuem Leben erkoren

und stets neu geboren.

GEJAGTES GLÜCK


Wo finden wir das Glück?

Nicht bei dem Blick zurück,

Vergangenheit als Scherbenstück,

auch nicht bei dem Blick voraus,

beim vorgestellten Kind und Haus,

... .


Nur der Blick ins Hier und Jetzt,

uns in den Moment versetzt,

um uns selbst zu finden

und Glück zu empfinden,

angesichts unserer Seele,

der in der Gegenwart nichts fehle.

DAS ERBE


Das Erbe, das wir angetreten,

der Odem, der uns eingegeben,

die Welt in SEINEM Sinne zu beleben

und nach dem Höchsten nur zu streben:


Sind wir der Schöpferkraft gemäß,

uns verstehend als Gefäß,

das Gute aufzunehmen und zu geben

hineingegangen in das Leben?


Oder ist uns der Atem ausgegangen,

als wir um eine Antwort rangen,

das Leben fern des Schöpfers Wille 

dröhnend führten ohne Stille,

ohne Einkehr und Bedacht,

in einem Albtraum aufgewacht?


Wie lässt sich das Erbe halten?

Lasst uns mit Kräften in ihm walten,

die, sehnsuchtsvoll der Welt ergeben, 

sich widmen dem EINEN GROßEN LEBEN.

DER ERSTE REGEN


Der erste Tag mit Herbstzeitregen

lädt Dich ein, den Geist zu bewegen,

zu spüren die Tiefe der Unendlichkeit

hinter den Spuren der Vergänglichkeit.


Leise tröpfelt sich der Regen ein,

rinnt still entlang der Fensterläden,

wie gezogen von unsichtbaren Fäden

als Sinnbild für das gesamte Sein.


Doch des Herbstes erstes Grau zu spüren,

kann Dich auch in Dein Inn'res führen,

zu wissen, die Seele ist niemals allein,

da der Schöpfer wirkt in Deinem Sein.

HOFFNUNG (HÖHEN UND TIEFEN)


Höhen und Tiefen,

Berge und Täler,

Straßen und Wege,

schmaler und schmäler … .


Wer niemals ein Tal durchlaufen,

wird niemals die Aussicht 

des Berges genießen -


Das sagt sich sehr leicht ...

... doch welches tiefe Tal ist Dein?

Das weißt nur Du allein ... .


Was Dir im Tal wird zugerufen,

ein Schrei Deiner Seele,

wer wird ihn verstehen?

Nicht viele werden den Weg mit Dir gehen,

und kein Mensch kann Dich führen.

Häufig wirst Du Dich 

elend und alleine fühlen.


Doch bei allem Leid,

vertrau' Deiner Kraft,

und vertraue der Zeit!

... denn Dein Schrei, 

als Widerhall

sich selbst erkennend, 

vergeht im Echo Mal zu Mal.


Die Seele gesundet,

strebt Freiheit an,

folgt windgleich dem eig'nen Rufen,

... auf zu neuen Ufern!