DER GITARRENSPIELER
Der Gitarrenspieler am Marktplatz stand,
gab ein Konzert aus seiner Hand,
dazu plätscherte der Brunnen
und klang - wie dazu gesungen.
Sein ganzes Können gab der Spieler preis,
und der Brunnen begleitete ihn leis'.
Als Einheit verstanden es die Menschen,
und der Gitarrenspieler sah erfreut sie spenden.
Als er als letzter stand am Markt,
bedankte er sich auf seine Art,
nahm Brunnenwasser in die Hand
und sprach dem Wasser seinen Dank.
STILLLEBEN
Ein Stillleben ist nach seiner eig'nen Art
eine im Moment festgehalt'ne Gegenwart,
die ausstrahlt eine Stille
ganz nach des Malers Wille.
Gleichzeitig scheint es aus der Zeit gefallen
und erzeugt im Geist ein Widerhallen,
das uns gleichermaßen ins Hier und Jetzt
sowie in Vergangenheit und Zukunft versetzt.
Das Stillleben spiegelt Dir eine Ruhe wider,
die sich legt auf Deine Seele nieder;
es zeigt Dir die Vergänglichkeit
des EINEN Lebens in der Ewigkeit.
GELEBTES LEBEN
In seiner Wohnung hängen die Bilder,
erzählen sein Leben, als das war noch wilder;
die Kontinente hat er alle gesehen
und die Frauen geliebt, gibt er zu verstehen.
Inzwischen ist sein Leben still,
und er kann nicht mehr so, wie er gerne will,
dennoch ist er froh seines Lebens,
und nichts, was er tat, scheint ihm vergebens.
Denn die Erinnerungen trägt er im Herzen,
und abends leuchten in seiner Wohnung die Kerzen,
in deren Licht er sein Leben rekapituliert
und nie seinen Glauben an das Leben verliert.
ERINNERUNG
Die Schaukel im Garten,
auf Weihnachten warten,
im Baumhaus tageträumen,
in der Wanne ein Schiff vertäuen,
lieben lernen, lachen lernen,
mit dem Auto auf in weite Fernen,
Cote d'Azur, Südfrankreich,
unter'm Himmel sternenreich,
im Flusse baden, die Fische fangen,
mag die Erinnerung zurückgelangen
an der Kindheit Zauberorte,
viele Bilder, wenig Worte.
DIE KAFFEEKANNE
Von alten Zeiten erzählt sie mir;
meine Kaffeekanne war lange vor mir hier,
gibt mir großzügig aus ihrem Bauch,
wenn ich etwas zum Wärmen brauch'.
Die Kanne erzählt mir ihre Geschichte;
sie begleitete manche Generation,
mit dem Kaffeetrinken als Tradition;
im Alltag gab sie so ihr Lichte.
Schon meine Großmutter teilte gerne den Kaffee,
so wie ich ihn teile mit den Gästen, die ich seh',
verweilend im gemeinsamen Moment,
der zeitlos scheint und ohne End'.
VEREINIGUNG (03.10.2020)
Zusammengehörend,
einander verstörend,
sich nicht verstehend,
weitergehen.
Tür an Tür,
als Nachbarn kein Gespür,
gemeinsam
einsam,
doch:
sich schließlich in die Augen blickend,
um die Seele des anderen wissend:
Zwei Seelen sind an Alter gleich,
doch an anderen Erfahrungen reich.
DER KÜHLE BRUNNEN
Der kühle Brunnen rauscht durch kalte Nächte,
während ich mit meiner Seele fechte;
im Dunkeln fühle ich mich erfroren,
zu meinem Inner'n den Kontakt verloren.
Hinter tausend Wänden wehrt sich die Seele,
und kein Laut entfährt der trock'nen Kehle,
ein Kampf, den sonst niemand von mir kennt,
der mich bei meinem Namen nennt.
FREUNDE DER NACHT
Ihr Freunde der Nacht,
in langen Nächten durchgewacht,
dem Rauschen des Windes
lauschend wie dem Atem des Kindes,
in schwerem Traum sodann gefangen,
in den frühen Morgen so gelangend,
Gedanken flüchtend in die Tannen,
die am Fuß des Berges Trauer sangen.
Beklommen in den neuen Morgen
mit Mühe, Not und alten Sorgen,
doch von der Bettstatt sich erhebend
und von Neuem stets das Beste geben.
BAHNHOFSGEFÜHL
Menschen kommen, Menschen gehen,
mal hektisch und mal stillestehend,
wartend, grübelnd, Zeitung lesend,
was ist jetzt, was ist gewesen?
Der Zug fährt ein,
der Raum wird klein,
doch die Welt durch's Fensterglas,
mit Häusern, Bäumen, trock'nem Gras,
zieht so schnell wechselnd vorbei,
als wenn gestern, heut' und morgen … EINES sei.
IM STRAßENCAFÉ
Wenn der Alltag Dich schlaucht
und Du Deine angeblich letzte Zigarette rauchst,
gleichzeitig eine Nachricht verschickst
und einen schnellen Kaffee dazu trinkst ... ,
Du merkst den Lärm des Verkehrs um Dich nicht,
und die Abgase steigen Dir ins Gesicht ... ,
doch plötzlich ist dieser Blitz in Dir da -
Du wirst Dir gewahr, ob das jetzt schon alles war?
All die Hektik und der Stress,
der scheinbar nie nachlässt?
Du sehnst Dich nach Ruhe, nach Stille,
und in Dir wächst der Wille,
tatsächlich Dein Leben zu ändern,
das Leben von seiner Mitte zu verstehen,
nicht von den Rändern,
um von Deinem Zentrum eine neue Perspektive zu sehen.